Presse
19.01.2017, 10:56 Uhr | SÜDKURIER | Jörg Büsche
CDU organisiert Stadtgespräch zu Bauplanung in Markdorf
Bauplanung zwischen Siedlungsdruck und Umweltschutz: Mit diesem Thema beschäftigen sich Franz Beer vom BUND, Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, und der Markdorfer Stadtbaumeister Michael Schlegel bei einem CDU-Stadtgespr
Markdorf – Die Verkehrs- und Siedlungsfläche in Baden-Württemberg wächst unaufhörlich. Tag für Tag seien es 7,5 Fußballfelder, die überbaut werden, sagte Volker Mayer-Lay, Moderator der jüngsten CDU-Stadtgespräche in der Hepbacher Linde. Der stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU hatte auch die Gesamtzahl. Laut Landesamt für Statistik nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche im Land um 1899 Hektar zu. Anlass für die Markdorfer CDU, zu einer Podiumsrunde zum Thema Siedlungsdruck und Umweltschutz einzuladen.
Die Situation skizzierten Franz Beer, langjähriger Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Markdorf und nach wie vor im Vorstand des BUND, Stadtbaumeister Michael Schlegel und Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, in dessen Aufgabengebiet die Regionalplanung für die Landkreise Bodensee, Ravensburg und Sigmaringen fällt. Zunächst skizzierten die drei Fachleute die Situation, dann stellten die rund 40 Zuhörer Fragen.
- Franz Beer: Er begann bildhaft mit einer Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert, die die Stadt als sehr kleines Ensemble von Häusern zeigt, die sich um den Markdorfer Kirchturm drängen. Aus Sicht der Bewohner seien weite Flächen in der Umgebung "Unland" gewesen. Nicht nutzbar, da versumpft – aus heutiger Sicht "Perlen der Natur", da sie ein Höchstmaß an Biodiversität aufgewiesen haben, erklärte der studierte Biologe. Seine Forderung für die Gegenwart: ein konsequentes Monitoring, das Überwachen, ob angelegte Ausgleichsflächen für neue Siedlungs- oder Verkehrsflächen auch tatsächlich einen sinnvollen Ausgleich mit natürlichem Charakter darstellen. Außerdem fordert Beer ein intelligenteres Bauen, zur Not auch mal gegen die Vorgaben des Denkmalschutzes. Das Gewerbegebiet Riedwiesen etwa sähe Beer lieber dichter bebaut als bisher.
- Wilfried Franke: Er plädierte für den Ausgleich. Der Siedlungsdruck, hervorgerufen durch den Zuzug in den wirtschaftlich prosperierenden Bodenseeraum, verlange nach neuen Lösungen. Dass es für Studenten, für angeworbene Arbeitskräfte keinen bezahlbaren Wohnraum gibt, "ist kein Zustand". Gewerbeflächen gingen zur Neige. Die Folge sei Stillstand und mittelfristig der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen. Franke zog in Zweifel, dass sich die "Netto Null", die Absage an weiteren Flächenverbrauch, vor diesem Hintergrund halten lässt. Nicht sinnvoll sei es, landwirtschaftlich genutzte Flächen zu Ausgleichsflächen zu machen. Sie würden für die Nahrungsproduktion gebraucht.
- Michael Schlegel: Der Stadtbaumeister entwarf ein Zukunftsszenario für ein nachverdichtetes Markdorf. Daran könne kein Weg vorbeiführen. Die Einfamilienhäuser werden Geschossbauten weichen. Auf innerstädtischen Grünflächen entstehen neue Gebäude. "Dass jeder Eingriff in der Regel zu Unmut führt und zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarn", ist Schlegel bewusst. Abschied genommen werde auch von reinen Wohn- und reinen Gewerbegebieten. Wohnen und Arbeiten mischen sich in einer zunehmend verdichtet bebauten Stadt.

Meinungen aus dem Publikum

Einigen Zuspruch gab es für die Anmerkung von Moderator Volker Mayer-Lay, wonach "längst nicht alles intelligent Gebaute schön und alles schön Gebaute intelligent" sei. Ein Zuhörer spitzte dies noch zu: Mit Blick auf die Baustelle an der Mangoldstraße raunte er seinem Sitznachbarn das böse Bild von "einer Lege-Batterie für Senioren" zu. Jemand merkte an, dass die Ästhetik längst keine Rolle mehr spiele in Markdorf: "Es dreht sich doch alles nur um die Gestehungskosten." Mit bissigem "und wir zahlen's" quittierte ein Zuhörer den Hinweis von Verbandsdirektor Franke. Er hatte darauf hingewiesen, dass der Bundesverkehrswegeplan die ersehnte Bodensee-S-Bahn übergeht. Unterstützung finden Strecken in anderen Bundesländern. Franke hatte erklärt, den Kommunen im Südwesten bleibe wohl nichts übrig, als die Bahnen selber zu finanzieren.

Ein ehemaliger Stadtplaner aus dem Publikum verwies auf ein altes Planungsinstrument. Die Gestaltungsplanung befasse sich mit dem städtebaulichen Gesamtgefüge, weniger mit der Detailnutzung. Ein Zugang, den Stadtbaumeister Schlegel als Konzept zu einem Masterplan für Markdorf begrüßte. Gemeinderätin Kerstin Mock (CDU) unterstützte Frankes Plädoyer für die Landwirtschaft: "Jeder überbaute Quadratmeter ist endgültig verloren für uns Landwirte." Dabei litten die Landwirte ohnehin schon am Kahlschlag auf den Flächen vor der Stadt. Heiner Bühler vom BUND merkte an: "Irgendwann wird aber auch mal mit der Nachverdichtung Schluss sein." Carola Uhl, CDU-Gemeinderätin aus Bermatingen, monierte eine mangelnde Mobilitätsplanung. Über Schulen, Kindergärten, Infrastruktur werde gesprochen. Welche Folgen Baugebiete für den Verkehr haben, bleibe in der Planung weitgehend unberücksichtigt.
aktualisiert von Susanne Schwaderer, 22.01.2017, 11:02 Uhr
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