Presse
28.07.2016, 22:57 Uhr | SÜDKURIER | Jörg Büsche
Asylbewerber erzählen von ihrer Flucht
Der CDU-Ortsverband Markdorf hat im Obertor einen Gesprächsabend organisiert. Flüchtlinge erzählten von den Gründen für ihre Flucht und beantworteten Fragen der Besucher. Der Austausch sollte gegenseitiges Verstehen schaffen.

Am Ende ist ein Aufruf gestanden. Susanne Schwaderer, Kandidatin der CDU um ein Landtagsmandat im vergangenen Frühjahr, schloss den Informationsabend im Markdorfer Zunfthaus Obertor mit der Bemerkung: "Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen." Wir – das sind die alteingesessenen Bürger der Stadt, das sind aber auch jene Neubürger, die aus Bürgerkriegsregionen beziehungsweise au Staaten in die Bundesrepublik gekommen sind, in denen sie wegen ihrer Überzeugung, ihrer Religion oder aus anderen Gründen verfolgt werden.

"Warum seid ihr Terroristen?", zitiert Shaker Kohistani. Der 20 Jahre alte Afghane gibt wieder, was ihn jüngst ein Mann am Überlinger Bahnhof fragte. Der ältere Herr habe ihn direkt angesprochen. Shaker Kohistani blickt in die Runde. Mit einem Mal ist es ganz still geworden im Saal. Wo eben noch manche Anmerkung gemurmelt wurde, Eindrücke, Kommentare leise wechselten, da spricht nun niemand mehr.

Der dunkelhaarige junge Mann vor der großen Landkarte, die Europa und Asien zeigt, hat den Kern dessen berührt, was nach den Anschlägen in Ansbach, Reutlingen und Würzburg sehr viele Menschen beschäftigt. Die Frage, ob und wie viele gewaltbereite, gezielt vom IS eingeschleuste Kämpfer oder Anhänger im Land sind. Potenzielle Terroristen, die sich hier unter jene Flüchtlinge mischen, die in Syrien, im Irak, aber auch in Afghanistan von ihnen verfolgt werden. Eine Frage, die von den Zuhörern im Zunfthaus aber nicht gestellt wurde.

Weil diejenigen, die zurzeit ausschließlich von der Angst getrieben werden, ohnehin nicht zu solchen Veranstaltungen kommen, merkt Susanne Schwaderer an. Die Mitorganisatorin des Gesprächsabends bezieht sich auf jene Markdorfer, die in den Neuankömmlingen vom Balkan, aus dem Nahen Osten, aus Afghanistan ausschließlich eine Bedrohung sehen – wenn nicht ihres Lebens, so doch ihrer Lebensweise. Diese Verängstigten würden das Gespräch vermutlich auch gar nicht erst suchen, die Begegnung mit den Geflüchteten scheuen, glaubt Susanne Schwaderer. Diejenigen aber, die gekommen waren, die konnten sich ein Bild machen von den Beweggründen, warum die heute in Markdorf lebenden Syrer, Afghanen und Menschen aus anderen Regionen ihre Heimat verlassen haben.

"Bei uns herrscht Krieg", berichtete Suleiman Dalil. Der 26-Jährige kam, um dem Schrecken der Bombenangriffe zu entkommen. Erst am Morgen habe er von neuen Explosionen erfahren, wisse nicht, ob auch Verwandte betroffen sind. Er ist nur eine Stimme von vielen aus der Gruppe der Syrer im Zunfthaus. Noch weitere äußern sich an diesem Abend, sprechen von den mörderischen Kämpfen als Grund ihrer Flucht – und von ihren Hoffnungen in Deutschland.

Der 17-jährige Sakar zum Beispiel hofft, in Deutschland studieren zu können. Im Moment ist er bei einer Markdorfer Familie untergebracht und besucht das Gymnasium. Seine Zukunft sei aber sehr ungewiss, da sein Fall von den Behörden nur schleppend bearbeitet werde, noch kein Asyl in Sicht sei. Und das, obwohl die Asylanträge seiner Brüder bereits anerkannt worden seien, erklärt der junge Mann.

Ein Flüchtling aus Afghanistan spricht von seinen sehnlichsten Wünschen. Er möchte seine Familie, seine Frau und die fünf Kinder ernähren können. "Meine Söhne und meine Töchter sollen hier in die Schule gehen", erklärt der freundlich lächelnde Mann mit der US-amerikanischen Freiheitsstatue auf seinem T-Shirt. Ein Syrer erzählt: Ihm habe sein schon seit Jahren in Kiel lebender Bruder gesagt, "wer in Deutschland leben will, muss hart arbeiten." Die Zuhörer nicken zustimmend. Es folgt weitere Zustimmung, als der junge Syrer erklärt, dass er nur zu gern bereit sei, hart zu arbeiten. Tatsächlich erzählen etliche der Geflüchteten von ihren Praktika, von ihren ersten Anstellungen oder von ihrer freiwilligen Arbeit.

Aus dem Publikum wird die Frage nach dem guten Leben gestellt. Ob man sich in Syrien, in Afghanistan vorstellen könne, "wie Sie in Turnhallen untergebracht werden, zunächst in Massenunterkünften?", erkundigt sich ein Herr. Die Antwort: Für die von Bomben Bedrohten spiele das keine Rolle. Die Frage nach den Kosten der Flucht beantworten die Markdorfer Neubürger freimütig. Hier habe jemand 14 000 Euro, dort ein anderer 7000 Euro bezahlt, 2400 ein Dritter.

Zum Schluss dann luden Mitorganisatorin Uschi Hutter-Koenen und Susanne Schwaderer zu weiteren Gesprächen ein. Nun im Obertor, sonst im Café International des Freundeskreises Flucht und Asyl – oder auf der Straße. Im Obertor wurde dem gefolgt. Und vielleicht auch über die Anmerkung Shaker Kohistanis geredet, der dem Mann auf dem Überlinger Bahnhof geantwortet hatte: "Schlechte Leute kann jeder sein."

Egal woher jemand komme, es gehe um die Guten. Und die würden überwiegen. Bei den Markdorfer, die den Neubürgern sehr viel helfen würden. Wie auch bei den Geflüchteten, die sich immer wieder bedankten für die hier erfahrene Hilfe.

aktualisiert von Susanne Schwaderer, 28.07.2016, 23:03 Uhr
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